Der Walzer - Der Tanz, der körperliche Nähe Hoffähig machte

Als eine der bekanntesten Tanzformen der westlichen Welt symbolisiert der Walzer Eleganz, Romantik und gesellschaftlichen Wandel. Seinen Ursprung hat der Walzer im 18. Jahrhundert in Mitteleuropa. Vorläufer des Walzers waren ländliche Volkstänze wie der Ländler und der Deutsche Tanz, die in den Alpenregionen Österreichs und Bayerns populär waren. Im Gegensatz zu den damals vorherrschenden höfischen Tänzen, bei denen die Tanzpartner kaum körperlichen Kontakt hatten, bot der Walzer einen engen Körperkontakt der Tanzenden. Diese Revolution entstand durch die mit dem Walzer eingeführte geschlossene Tanzhaltung, bei der sich die Partner umarmen. Zuvor galt das als skandalös. Diese intime Form des Tanzens trug zur Faszination und auch zur Kontroverse bei, die den Walzer in seinen frühen Tagen umgab.

Was den Walzer neben der Tanzhaltung formal so besonders macht, ist sein charakteristischer Dreivierteltakt (3/4-Takt), der ihm einen fließenden, schwebenden musikalischen Fluss verleiht. Während der Wiener Walzer eher schnell und dynamisch ist, entstand im 20. Jahrhundert der langsame Walzer (English Walz), der eine ruhigere und emotionalere Atmosphäre eröffnet.

Besonders in Wien, der Hauptstadt des Habsburgerreichs, entwickelte sich der Walzer zu einem kulturellen Phänomen - heute würde man das einen “Hype” nennen. Der Wiener Opernball und zahlreiche Gesellschaftsveranstaltungen waren Ausgangspunkt des Erfolges des Walzers, der sich zunächst in den europäischen Aldelskreisen ausbreitete. Komponisten wie Johann Strauss Vater und später Johann Strauss Sohn hatten einen Status ähnlich heutiger Pop-Ikonen und trugen maßgeblich zur Popularität des Wiener Walzers bei.

Mit dem 19. Jahrhundert erreichte der Walzer durch die gesellschaftlichen Umbrüche und die Industrialisierung auch die Mittel- und Unterschichten. Seine einfache Grundstruktur machte ihn zugänglich, während seine Eleganz ihn für alle Gesellschaftsschichten attraktiv machte. Mit den Auswanderungswellen des ausgehenden 19. Jahrhunderts aus Europa nach Amerika gelangte der Walzer schließlich in die so genannte „Neue Welt“. Dort wurde er Teil des internationalen Tanzrepertoires und inspirierte weitere Tanzstile wie den Foxtrott und später sogar den Jazz-Tanz.

Gesellschaftlich spielte der Walzer eine bedeutende Rolle in Zeiten des Wandels. Er symbolisierte nicht nur den Aufstieg des Bürgertums, sondern auch eine Lockerung gesellschaftlicher Konventionen. Die engere Tanzhaltung und die schwungvollen Bewegungen des Walzers galten im 19. Jahrhundert als Ausdruck einer neuen, freieren Zeit. Im 20. Jahrhundert wurde der Walzer vor allem durch den Wiener Opernball und Filmmusik weltweit bekannt. Die Wiener Klassik und später die Romantik prägten den Walzer mit musikalischen Meisterwerken, die bis heute gespielt werden.

Trotz der Entwicklung neuer Tanzstile wie Hip-Hop, Salsa oder Contemporary bleibt der Walzer ein fester Bestandteil der Tanz- und Musikwelt. Besonders bei Hochzeiten, Bällen und Tanzturnieren ist er nach wie vor prominent präsent. Auch durch Filme und Serien, die historische Romantik darstellen, erlebte der Walzer eine Renaissance. Darüber hinaus tragen Tanzshows wie Let’s Dance dazu bei, den Walzer einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Das “Johann Strauß Orchester” mit André Rieu zieht ein Millionenpublikum und zeigt damit deutlich, dass der Walzer auch heute eine generationenübergreifende Faszination ausübt.

Die Beliebtheit des Walzers lässt sich durch seine Vielseitigkeit erklären: Er kombiniert einfache Tanzschritte mit einer tiefgründigen, emotionalen Wirkung. Er steht für Tradition, aber auch für den zeitlosen Wunsch, sich von der Musik tragen zu lassen.

Das alles macht ihn zu einem der beliebtesten Tänze der Welt.

Die Polka - Ein Bauerntanz beeinflusst weltweit unterschiedliche Musik-Genres

Die Polka ist ein lebhafter Tanz im 2/4-Takt, der seinen Ursprung im frühen 19. Jahrhundert in Böhmen (heutiges Tschechien) hat. Der Begriff „Polka“ leitet sich vermutlich vom tschechischen Wort „půlka“ ab, was „Hälfte“ bedeutet – ein Hinweis auf die halben Schritte, die den Tanz ausmachen. Einer Legende nach soll eine junge Bäuerin um 1830 den Tanz erstmals improvisiert haben. Rasch entwickelte sich die Polka zu einem beliebten Gesellschaftstanz in Mitteleuropa.

Ursprünglich als Volkstanz in ländlichen Gegenden Böhmens getanzt, verbreitete sich die Polka schnell über die Grenzen hinaus. Bereits in den 1840er Jahren wurde sie in den Ball- und Tanzsälen Wiens und Paris populär. Dort galt sie als modern, fröhlich und unkompliziert und bildete damit einen willkommenen Gegensatz zu den formellen Tänzen der Oberschicht. Von Frankreich aus fand die Polka Eingang in ganz Europa und wurde schließlich auch in den USA durch europäische Einwanderer bekannt.

Die Polka war mehr als nur ein Tanz; sie war Ausdruck einer neuen gesellschaftlichen Leichtigkeit im 19. Jahrhundert. In einer Zeit des Umbruchs und der Industrialisierung bot sie vielen Menschen ein Gefühl von Gemeinschaft, Lebensfreude und Identität. In bäuerlichen Regionen blieb die Polka als Bestandteil der Volkskultur erhalten, während sie in städtischen Kreisen auch als Element der gehobenen Unterhaltungsmusik gepflegt wurde.

Auch im 21. Jahrhundert hat die Polka nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Sie ist ein fester Bestandteil der böhmisch-mährischen Blasmusik, wie sie zum Beispiel von Ernst Mosch und den Egerländer Musikanten geprägt wurde. Auf Volksfesten, Kirchweihen und in Trachtenvereinen gehört die Polka zur Standardliteratur. 

Gleichzeitig findet die Polka auch in anderen Musikstilen kreative Ausdrucksformen. In der Volksmusik Nord- und Südamerikas, besonders in Mexiko und Texas, lebt sie in der Norteño- und Tex-Mex-Musik weiter. Auch in der alternativen Szene taucht sie gelegentlich in Gypsy-Punk, Folk-Rock oder Polka-Fusion-Projekten auf, etwa bei Bands wie Gogol Bordello oder Brave Combo. In der klassischen Musik wurde die Polka von Komponisten wie Johann Strauss Sohn oder Bedřich Smetana als Kunstform weiterentwickelt. Und: Im Kölner Karneval ist die Polka (Brings mit “Polka, Polka, Polka”) natürlich auch nicht weg zu denken.

Die Polka steht nicht nur für ein Stück musikalisches Kulturerbe, sondern auch für die zeitlose Fähigkeit der Musik, über Generationen, Kulturen und Stilrichtungen hinweg Menschen zu verbinden.