Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven

16.12.1770 (Bonn) - 26.03.1827 (Wien)

Ludwig van Beethoven zählt zu den bekanntesten Komponisten der Musikgeschichte. Er steht an der Schwelle zwischen Wiener Klassik und Romantik. Beethovens Bedeutung liegt nicht nur in seinem Werk, sondern auch durch die Rolle als selbstbewusster Künstler, die er für sich beanspruchte. Damit bereitete er den Weg zu einer grundlegend neuen gesellschaftlichen Rolle des Komponisten. Aus dem höfischen Musiker und Kapellmeister wurde eine eigenständige Künstlerpersönlichkeit, die ihre persönliche Ausdruckskraft über die Erwartungen von Adel und Gesellschaft stellte.

Beethoven wurde vermutlich am 16. Dezember 1770 in Bonn geboren; getauft wurde er am 17. Dezember. Sein Vater Johann van Beethoven war Sänger am kurfürstlichen Hof. Er erkannte früh die außergewöhnliche Begabung seines Sohnes und versuchte, ihn nach dem Vorbild Mozarts als Wunderkind zu fördern. Der Unterricht war von Strenge geprägt, die, so zitiert man Beethoven keine glückliche Kindheit zuließ. Entscheidender für seine Entwicklung wurde der Organist und Komponist Christian Gottlob Neefe. Er führte den jungen Beethoven an die Werke Johann Sebastian Bachs heran und forderte ihn heraus, sich als Musiker und Komponist zu bewähren.

Als Teenager war Beethoven bereits Organist und Bratschist am Bonner Hof. 1787 reiste er erstmals nach Wien. Ob er dort tatsächlich Wolfgang Amadeus Mozart begegnete, lässt sich nicht belegen. Die berühmte Geschichte, Mozart habe nach einer Improvisation des jungen Beethoven gesagt: „Auf den wird die Welt noch hören“, ist wohl eine Legende. Sicher ist jedoch, dass Beethoven 1792 endgültig nach Wien übersiedelte und dort seine eigentliche Laufbahn begann. Er studierte unter anderem bei Joseph Haydn, Johann Georg Albrechtsberger und Antonio Salieri. In kurzer Zeit machte er sich mit außergewöhnlichen Improvisationen einen Namen als brillanter Pianist, der sein Publikum wie ein heutiger Pop-Star begeistern konnte. Anders als viele Musiker seiner Zeit war Beethoven nicht dauerhaft in höfischen Diensten angestellt. Stattdessen wurde er von adeligen Förderern unterstützt und gewann dadurch eine für damalige Verhältnisse ungewöhnliche künstlerische Unabhängigkeit.

Um die Jahrhundertwende bemerkte Beethoven erste Anzeichen einer zunehmenden Schwerhörigkeit. Für einen Pianisten und Komponisten schien dies das Ende seiner Laufbahn zu bedeuten. Die Verzweiflung darüber spricht aus dem sogenannten Heiligenstädter Testament von 1802. In diesem persönlichen Dokument schilderte Beethoven seine Isolation und seine Gedanken an den Tod. Zugleich bekannte er, dass ihn die Kunst davon abgehalten habe, aufzugeben. Gerade in den Jahren danach entstanden einige seiner bedeutendsten Werke. Mit der Dritten Sinfonie, der „Eroica“, betrat Beethoven musikalisches Neuland. Ursprünglich wollte er das Werk Napoleon Bonaparte widmen, den er als Verfechter der Ideale der Französischen Revolution bewunderte. Als Napoleon sich selbst zum Kaiser krönte, soll Beethoven voller Zorn das Titelblatt zerrissen haben. Ob die Geschichte in allen Details stimmt, ist umstritten; sie passt jedoch zu seinem Charakter und seinem Freiheitsideal. Es folgten Werke wie die Fünfte Sinfonie mit ihrem weltberühmten Anfangsmotiv, die Pastorale, das Violinkonzert, zahlreiche Klaviersonaten und schließlich seine einzige Oper „Fidelio“. Beethoven erweiterte die Ausdrucksmöglichkeiten der Musik in bisher unbekannte Dimensionen. Seine Werke wurden länger, dramatischer und persönlicher. Viele Zeitgenossen empfanden sie als kühn und revolutionär. Die Neunte Sinfonie komponierte Beethoven als er bereits fast taub war. Die Uraufführung der Neunten Sinfonie im Jahr 1824 muss sehr bewegend gewesen sein. Beethoven stand auf der Bühne und dirigierte mit. Als das Werk endete, konnte er den jubelnden Beifall des Publikums nicht hören. Die Sängerin Caroline Unger drehte ihn zum Saal, damit er die Begeisterung der Zuhörer sehen konnte. Der Schlusschor auf Friedrich Schillers „Ode an die Freude“ ist heute die Hymne der Europäischen Union und zählt heute zu den bekanntesten Musikstücken überhaupt.

Beethoven galt als eigensinnig, stolz und manchmal schwierig. Sein Haushalt wurde als chaotisch beschrieben, seine Erscheinung als ungepflegt. Gleichzeitig arbeitete er mit ungeheurer Disziplin. Er trug Notizbücher bei sich, in denen er jederzeit musikalische Einfälle festhielt. Viele seiner berühmtesten Themen entstanden nicht in einem einzigen schöpferischen Augenblick, sondern wurden über Jahre hinweg entwickelt, verändert und verfeinert.

In einer nicht bestätigten Anekdote heißt es, er habe einem Adeligen, der auf mehr Respekt pochte, gesagt: „Fürsten gibt es und wird es tausende geben; Beethoven gibt es nur einen.“ Ob wahr oder nicht, beschreibt das den Mann, der sich weder von gesellschaftlichen Konventionen noch von seiner schweren Krankheit aufhalten ließ.

 

Als Beethoven am 26. März 1827 in Wien starb, verlor Europa einen seiner größten Künstler. Zehntausende Menschen sollen den Trauerzug begleitet haben. Sein Einfluss reicht bis in die Gegenwart. Komponisten wie Brahms, Wagner, Bruckner und Mahler bauten auf seinem Werk auf. Seine Sinfonien, Konzerte, Sonaten und Streichquartette gehören bis heute zum Kern des Konzertrepertoires.