
Klarinettenkonzert KV622
von Wolfgang Amadeus Mozart
Das Klarinettenkonzert in A Dur, KV 622 gehört zu den letzten vollendeten Werken von Wolfgang Amadeus Mozart. Er schrieb es wenige Wochen vor seinem Tod im Herbst 1791 in Wien. Mozart war sowohl auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Reife, als auch auf dem Höhepunkt seiner finanziellen Schwierigkeiten. In diesem letzten Lebensjahr entstanden neben dem Klarinettenkonzert die Oper Die Zauberflöte und das unvollendete Requiem. Das Klarinettenkozert schrieb Mozart für seinen Freund Anton Stadler, einem Star unter den Klarinettisten seiner Zeit. Wahrscheinlich war es ursprünglich nicht für die heute übliche Klarinette bestimmt, sondern für die sogenannte Bassettklarinette. Dieses Instrument besitzt einen erweiterten Tonumfang nach unten und ermöglicht besonders warme und dunkle Klangfarben.
Die Uraufführung fand am 16. Oktober 1791 in Prag statt. Stadler spielte den Solopart. Mozart konnte den Erfolg seines Konzerts nur noch wenige Wochen erleben. Das Originalmanuskript ging später verloren. Deshalb war lange Zeit nur eine bearbeitete Fassung für die normale Klarinette bekannt. Erst im 20. Jahrhundert gelang es Musikwissenschaftlern, den ursprünglichen Charakter des Werks teilweise zu rekonstruieren. Heute wird das Konzert sowohl auf der modernen Klarinette als auch auf der Bassettklarinette aufgeführt. (Wir haben für classicplayalons Arrangements für die traditione A- Klarinette, und die modernere B-Klarinette produziert)
Das Werk besteht aus drei Sätzen. Der erste Satz, Allegro, steht in klassischer Sonatenhauptsatzform. Er beginnt mit einem ruhigen Orchestervorspiel. Anschließend tritt die Klarinette mit großer Eleganz und Leichtigkeit hervor. Der Solopart ist virtuos, aber niemals aufdringlich und freu von Effekthascherei. Stattdessen entwickelt Mozart einen gesanglichen Stil, der die Klarinette beinahe wie eine menschliche Stimme erscheinen lässt. Der zweite Satz, Adagio, ist gekennzeichnet von großer Ruhe und Innigkeit. Lange Melodiebögen schweben über einer schlichten Orchesterbegleitung. Die Musik wirkt zugleich tröstlich, melancholisch und zeitlos schön. Der dritte Satz, ein Rondo im Allegro Tempo, bringt wieder Heiterkeit und Bewegung. Tanzartige Themen wechseln mit virtuosen Passagen. Das Konzert endet freundlich und licht, ohne jede Schwere.
Kompositorisch gilt das Werk als Höhepunkt der klassischen Klarinettenliteratur. Mozart nutzt die besonderen Eigenschaften des Instruments auf sehr eigene Weise. Er verbindet die warme Tiefe des Chalumeau Registers mit der Leuchtkraft der hohen Lagen. Die Solostimme fließt nahezu ununterbrochen. Technische Schwierigkeiten treten hinter musikalischem Ausdruck zurück. Das Orchester begleitet aufmerksam und ausgewogen. Zwischen Solist und Ensemble entsteht ein echter Dialog. Viele Stellen wirken kammermusikalisch. Gerade diese Verbindung aus Einfachheit, Eleganz und emotionaler Tiefe macht den besonderen Reiz des Konzerts aus.
Für die Musikgeschichte besitzt das Klarinettenkonzert eine herausragende Bedeutung. Es ist Mozarts einziges vollendetes Solokonzert für Klarinette und gleichzeitig das erste große Meisterwerk seiner Gattung. Das Werk zeigte eindrucksvoll, welche Ausdrucksmöglichkeiten in dem damals noch relativ jungen Instrument steckten. Spätere Komponisten wie Carl Maria von Weber, Johannes Brahms oder Carl Nielsen konnten daran anknüpfen. Bis heute bildet KV 622 den Maßstab für nahezu jedes Klarinettenkonzert, das danach geschrieben wurde.
In der Gegenwart gehört das Werk zu den weltweit meistgespielten Konzerten des klassischen Repertoires. Für viele Klarinettisten ist es das wichtigste Solowerk überhaupt. Es wird bei Wettbewerben, Probespielen, Hochschulprüfungen und Konzertauftritten regelmäßig verlangt. Kaum ein professioneller Klarinettist kommt an diesem Werk vorbei.
Besonders der langsame zweite Satz hat weit über die klassische Musik hinaus Bekanntheit erlangt. Seine ruhige und berührende Stimmung macht ihn zu einer beliebten Wahl für Filme, Fernsehproduktionen und Dokumentationen. Bekannt wurde das Adagio unter anderem durch den mehrfach preisgekrönten Film Out of Africa.
Mehr als 230 Jahre nach seiner Entstehung hat das Klarinettenkonzert nichts von seiner Wirkung verloren. Wir findenganz einfach: Es ist wunderschön.
