
Julius Fučík
18.07.1872 (Prag) - 25.09.1916 (Berlin)
Julius Fučík war zu seiner Zeit ein Star der Militärmusik. Sein Name ist heute nicht mehr geläufig, sein „Einzug der Gladiatoren“ dagegen ist weltbekannt.
Fučík wuchs als Sohn eines höheren Beamten in Prag (damals Teil der österreichisch-ungarischen Monarchie) auf. In aufstrebenden bürgerlichen Familien war Musik Teil der Erziehung und Demonstration des erreichten gesellschaftlichen Status . Fučík lernte Violine, Fagott und Klavier und begann früh zu komponieren. Leidenschaft und Talent waren offensichtlich und führten zu seiner Ausbildung erhielt er am Prager Konservatorium. Dort lehrte der „Nationalkomponist“ Antonín Dvořák. Dvořák förderte diesen talentierten Schüler und sein Einfluss blieb in Fučíks Werk spürbar. Nach dem Studium trat Fučík als Militärmusiker in die Armee der Habsburgermonarchie ein. Für viele Musiker seiner Zeit war das ein sicherer Karriereweg. Vermutlich noch in Prag heiratete er Marie Kovářová, die mit ihm in jede neue Stat zog, später auch mit Kindern. Er diente zunächst in verschiedenen Garnisonen und stieg zum Kapellmeister auf. In Sarajevo und später in Budapest entwickelten sich die Militärkapellen unter Fučíks Leitung zu hoch angesehenen Klangkörpern. Seine Konzerte zogen nicht nur Soldaten, sondern auch das bürgerliche Publikum an.
Fučík komponierte über 400 Werke - Märsche, Walzer, Polkas, Konzertstücke und Ouvertüren. Seine Musik verbindet traditionelle österreichischen Militärmusik mit böhmischer Melodik und einer anziehenden klanglicher Wirkung.
Fučík hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Militärmusik zu einer populären Kunstform auch außerhalb der Kasernen zu machen. Dieser Geist verband ihn mit seinem Zeitgenossen und internationalem Star der Marschmusik John Philip Sousa. Dass die beiden sich untereinander ausgetauscht hätten, ist nicht bekannt.
Fučíks bekanntestes Werk ist der Marsch Einzug der Gladiatoren aus dem Jahr 1897, welches ursprünglich „Grande Marche Chromatique“ hieß. Die Musik ist kraftvoll, virtuos und voller Energie. In den 1920iger Jahren entdeckte der Zirkus die Musik für sich. Die rasante Melodie im Trio eignete sich hervorragend als Begleitmusik für Clowns. Viele kennen die Melodie, ohne den Namen des Komponisten zu kennen.
Fučík bewegte sich in einer Welt, die von den Werken von Johann Strauß Sohn, Franz Lehár und Dvořák geprägt war. Besonders Lehár, ebenfalls Militärkapellmeister, verkörperte einen ähnlichen Karriereweg zwischen Militärmusik und Unterhaltungskunst. Fučík war Teil jener Generation, die die Blasmusik der Habsburgermonarchie auf ein neues künstlerisches Niveau hob.
1913, im Alter von 41 Jahren, wollte Fučík stärker von seinen eigenen Werken profitieren und schied aus dem Militätdienst aus, um einen eigenen Verlag zu gründen. Als Standort wählte er aus wirtschaftlichen Überlegungen Berlin. Das Geschäft seines Tempo Verlags lief noch an, als im Sommer 2014 der erste Weltkrieg aus- und die Nachfrage nach Noten damit wegbrach. 2015 wurde bei Fučík eine schwere Krebserkrankung diagnostiziert. Eine Operation 2016 blieb erfolglos. Im selben Jahr verstarb Fučík im Alter von nur 44 Jahren.
Mit dem „Einzug der Gladiatoren“ erreichte Fučík etwas, was nur wenigen Komponisten gelingt: Seine Musik wurde Teil des kollektiven Gedächtnisses weit über die Welt der klassischen Musik hinaus.
Von Julius Fučík gibt es keine frei verfügbaren Bilder. Wir haben die Zeichnung nach Beschreibung und der gängigen Mode gestaltet. Es kann gut sein, dass der Komponist ein anderes Antlitz hatte.
