Johannes Brahms

Johannes Brahms

07.05.1833 (Hamburg) - 03.04.1897 (Wien)

Johannes Brahms gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der musikalischen Romantik und wird häufig gemeinsam mit Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven zu den „drei großen B“ der deutschen Musikgeschichte gezählt.

Brahms wuchs in einfachen Verhältnissen im Hamburger Gängeviertel auf. Sein Vater Johann Jakob Brahms war Musiker und spielte verschiedene Instrumente, unter anderem Kontrabass und Horn. In diesem Milieu fiel Johannes Brahms außergewöhnliches musikalische Talent früh auf und wurde konsequent mit Klavierunterricht gefördert. Um zum Einkommen der Familie beizutragen, spielte der junge Brahms bereits als Teenager in Kneipen, Tanzlokalen und Gaststätten rund um den Hamburger Hafen. Hier kam er mit unterschiedlichsten musikalischen Stilen in Berührung. Er spielte alles von Volksmusik über Tanzmusik bis hin zur Klassik. Brahms erspielte sich auf diese Weise den Ruf eines hervorragenden Pianisten. Sein besonderes Interesse aber galt der Komposition. Früh beschäftigte er sich intensiv mit den Werken Bachs, Mozarts und Beethovens und studierte akribisch deren Kompositionstechniken.

Im Alter von 20 Jahren begegnete er 1853 Clara und Robert Schumann, die in der Musikszene bereits etabliert waren. Robert Schumann veröffentlichte den Artikel „Neue Bahnen“, in dem er Brahms als kommenden großen Meister der deutschen Musik bezeichnete und machte Brahms damit schlagartig bekannt. Die Beziehung zu Clara Schumann entwickelte sich zu einer der bedeutendsten persönlichen Bindungen seines Lebens. Nach Roberts schwerer psychischer Erkrankung und dessen Tod unterstützte Brahms Clara und ihre Familie eng. Bis heute wird darüber spekuliert, ob zwischen Clara und Brahms eine Liebesbeziehung bestand. Sicher ist, dass beide ein tiefes emotionales und künstlerisches Vertrauensverhältnis zueinander hatten.

Ab den 1860er Jahren lebte Brahms überwiegend in Wien, einem der bedeutendsten musikalischen Zentren Europas. Dort dirigierte er, konzertierte als Pianist und komponierte seine bedeutendsten Werke. Brahms blieb auch als „Star“ seiner Zeit persönlich eher zurückhaltend. Freunde beschrieben ihn jedoch als humorvoll, schlagfertig und sehr loyal. Zu diesen Freunden zählten unter Anderem der junge Antonin Dvorak, den Brahms förderte und Johann Strauss (Sohn). Mit seinem engsten Freund, dem Geiger Joseph Joachim bereiste er Ungarn, was ihn zu der Reihe der „Ungarischen Tänze“ inspirierte.

Im 19. Jahrhundert war die Musikwelt gespalten. Auf der einen Seite standen Komponisten wie Richard Wagner und Franz Liszt, die die sogenannte „Neudeutsche Schule“ vertraten und die Musik programmatischer, dramatischer und experimenteller gestalten wollten. Brahms dagegen wurde einem prominenten Vertreter einer klassischeren Linie. Er hielt an traditionellen Formen wie Sinfonie, Sonate oder Kammermusik fest und entwickelte diese weiter. Brahms verband die große Tradition von Bach, Beethoven und Schubert mit der zu seiner Zeit modernen romantischen Ausdruckskraft. Kennzeichnend für seine Kompositionen ist eine hohe handwerkliche Präzision und meisterhafte Formgestaltung.

Brahms ließ sich viel Zeit, seine erste Sinfonie fertig zu stellen. In seiner Bewunderung von Beethoven soll er gesagt haben: „Sie haben keinen Begriff davon, wie es unsereinem zumute ist, wenn er immer so einen Riesen hinter sich marschieren hört.“ Erst im Alter von 43 Jahren veröffentlichte er seine erste Sinfonie, die von Zeitgenossen auch „Beethovens Zehnte“ genannt wurde.

Brahms wurde von späteren Komponisten als Vorbild genannt. Darunter Arnold Schönberg, der Brahms später sogar als „Fortschrittlichen“ bezeichnete. Schönberg erkannte das Moderne in Brahms Harmonik, Rhythmik und motivischen Arbeit.

Heute gehört Brahms zu den meistgespielten Komponisten weltweit. Seine Werke gelten als Höhepunkte der Sinfonik, Kammermusik und romantischen Klavierliteratur.